Potsdam-Leipzig 148,8 km
Das fing heute gut an. In Michendorf habe ich mir beim freundlichen Fahrradfritzen erst mal eine Standluftpumpe mit Manometer leihen müssen, weil der Luftdruck für die zusätzliche Last zu gering war.
Kurz danach traf es mich wie ein Blitz - ich hatte den Fahrradschlüssel vergessen. Zurück fahren war keine Option mehr, mit 20-30 zusätzlichen Kilometern wäre mein Tagesplan, Leipzig zu erreichen, nicht mehr möglich gewesen. Ein neues Schloss wäre auch keine gute Idee gewesen, die Versicherung verlangt bei diesem Fahrrad ein teures. Die Montage des neuen Halters wäre auch noch dazu gekommen. Zum Glück konnte mir Utine aushelfen und brachte mir das Schloss nach Treuenbrietzen.
Ich fuhr fast ausschließlich auf der Bundesstraße 2 und habe damit wohl zufällig die gleiche Route wie mein Schwiegervater als junger Mann in den 50er Jahren genommen. Die Familie hat dann Geld zusammen gelegt, damit er die Rückreise per Zug antreten konnte, so fertig war er.
Mir gings heute ebenso, auch wenn Straßenzustand, Verkehr und Ausrüstung kaum vergleichbar sind.
Irgendwie war heute Vieles anders als in den vergangenen Jahren - die Schrift und die Straßen auf den Landkarten waren viel kleiner als früher und die zahlreichen Hügel fand ich richtig anstrengend. Ob wohl die Lebensjahre ab 65 wie Hundejahre zählen (mal 7)? Ich werde das weiter beobachten.
In Leipzig fiel mir auf, dass man in der Innenstadt, sogar auf dem Trödlinring, mit dem Fahrrad auf dem Gehweg fahren darf. Das Robotron-Schulungszentrum an der Gerberstraße, in dem meine Kollegen und ich so viel Zeit verbracht haben, ist durch ein Hotel ersetzt worden und das damals neu errichtete Hotelhochhaus hinter dem Schulungszentrum ist zugewuchert und im Dornröschenschlaf.
Danach habe ich mit mir selbst zu tun gehabt. Für die letzten 5 km habe ich fast eine Stunde gebraucht. Mein Magen hat rebelliert, vielleicht sind ihm die über vier Liter Wasser, (leider habe ich versehentlich auch Sprudel nach gekauft), die ich wegen der Hitze trinken musste, nicht bekommen. Jedenfalls war ich froh, im Hotel zu sein und habe den ganzen Abend kein Bedürfnis verspürt, ein kühles Bier zu trinken und was zu essen. Das gabs bei Fahrradtouren noch nie.
Ich will jetzt erst mal darüber schlafen, aber irgendwie fühlt sich dieses Jahr alles nicht gut an und ich überlege die Tour gleich abzubrechen. Der Zeitdruck stört mich und ich fühle mich nicht ganz fitt. Die Schwierigkeiten kommen ja erst noch.