Freitag, 13. Mai 2016

Freitag, der 13.

Borna-Lengenfeld   84,5 km
Mal abgesehen davon, dass ich nicht abergläubisch bin und dass mir
das Datum garnicht  bewusst war, hat es im Nachhinein gesehen vielleicht doch eine Auswirkung gegeben.
Heute früh fing alles ganz normal - also langsam - an.
Es gab ja in Borna kein Frühstück, aber der Musiklehrer, Saxophonist und Pensionsbetreiber  lud mich auf einen Kaffee ein. Schon war eine Stunde vorbei!
Anschließend zum Bäcker, Reiseproviant besorgen und um 9.00 zum Fahrradladen, zusätzlich zum geflickten noch einen neuen Schlauch besorgen.
Dann gings endlich auf die Piste, bzw. auf die Suche nach der Piste. Borna hat extrem viel Einbahnstraßen und verwinkelte Gassen.
Da fällt mir ein, in Borna kann man gut nachvollziehen, warum die Chinesen ihre Jugendlichen mit "Generation der geneigten Köpfe" bezeichnen. Auf dem Markt gibts nämlich freies WLAN - völlig ohne Zugangsdaten. Entsprechend viele Jugendliche waren in der entsprechenden Position zu sehen.
Zurück zur Piste. Als ich sie gefunden hatte, ging es zügig Richtung Süden.
Einziges Problem waren wieder die Ortsdurchfahrten. Selbst in der kleinen Skatstadt Altenburg gab es vormittags einen Verkehr, der einer Großstadt "würdig" wäre.
Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie es gelingt, selbst Kleinstädte menschenfeindlich zu gestalten.
Später begann das Intervalltraining. Erst waren die Berge noch kurz, aber
das änderte sich schnell. Sicher kennt ihr alle das Wunschdenken, dass es hinter der nächsten Ecke wieder bergab geht - aber nein, die Steigung nimmt noch zu.
Nach etwas mehr als 60 km hat es mir eigentlich gereicht. Ich erinnerte mich an ein Hotel in einem kleinen Nest hinter Werdau und drehte um.
Was ich im Vorbeifahrenden nicht gesehen hatte - es war schon lange geschlossen.
Die Berge wurden immer steiler, die Dörfer immer kleiner und wenn es mal einen Gasthof oder einen Imbiss gegeben hatte, so war der längst zu.
Nur die Aussicht wurde immer besser.
In Waldkirchen fuhr ich leicht verzweifelt einem Wegweiser zu einem Sportlerheim hinterher. Natürlich war es zu. Die Jugendlichen, die dort Fußball spielten, kamen meist von weit weg und konnten mir nicht helfen.
Aber der Platzwart schlug mir vor, ich solle doch ein Stück zurückfahren und den Abzweig zum Campingplatz nehmen. Was er sich als Autofahrer nicht vorstellen konnte, war, dass ich gerade kurz vorher die Straße mit extremen Gefälle heruntergefahren bin und dabei gedacht habe: die würdest du niemals mit dem Fahrrad hochkommen.
Dann fiel ihm noch das Hotel in Lengenfeld ein - er schaute auf die Uhr und sagte: "JETZT wird es aber langsam Zeit für dich!"
Hätte er nicht extra sagen brauchen. Ich stellte mir schon eine Nacht im Zelt auf einer Wiese vor - keine Dusche, kein Bier, kein Essen.
Nur Leitungswasser, drei Bananen und eine zerdrückte Streuselschnecke  ...
Die Überraschung in Lengenfeld: kleine Stadt, großes Hotel, Zimmer frei und was zu essen und zu trinken!
Ich bin jetzt übrigens im sächsischen Vogtland, es gibt auch noch das thüringische und das böhmische.
Und der Sauerbraten mit sächsischen Klößen war ein Gedicht. Ich hab mir noch einen Kloß nachbestellt, damit ich morgen über die Berge komme.
Alles nur Training für die Alpen.

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