Samstag, 28. Mai 2016

Jablonski ante portas (Freitag, 27.Mai)


Feltre - Mestre 123,3 km

Die letzte Nacht habe ich in einem schönen B&B in Feltre verbracht.
Etwas störend waren die Geräusche eines jungen Paares aus dem Nebenzimmer, am frühen Abend beginnend und bis in die Nacht mit kurzen Pausen andauernd.
Mit Ohrstöpseln ging es aber.
Morgens war ich überrascht, als ein älteres Paar, etwa Mitte vierzig, zum Frühstück erschien.
Als ich meine Sachen packte, hörte ich, dass es sich wohl um andere Leute handelte - die brauchten offensichtlich nicht mal Frühstück ...
Der Blick von Frühstücksterrasse entschädigte sowieso für alles.





Als ich abreisen wollte, hatte ich noch ein längeres Gespräch mit einem Dänen, der schon zehn Jahre in Feltre wohnt und vorher in Frankreich, Großbritannien und Belgien gearbeitet hat.Er sprach ausgezeichnet deutsch. Unser Thema war natürlich Italien aber auch der traurige Zustand der EU. Er erzählte mir, dass der sechsjährige Sohn eines Kollegen, der Venedig wohnt, seinen Papa gefragt hat, wann den Venedig morgens "aufmacht". Er kam zu der Frage, weil die Touristen morgens mit einem Mal in die Stadt strömen und abends wieder weg sind.

Der erste Teil meiner Tour war wieder sehr interessant. Ich fuhr durch viele kleine Orte. Ein Campanile war schöner und größer als der andere. Allerdings war ein heftiger langer Anstieg dabei, der mir bei knapp 30 Grad wieder ordentlich zu schaffen machte. Zur Belohnung durfte ich dann eine stillgelegte Serpentinenstraße runterbrettern.






Am frühen Nachmittag hatte ich die erste Etappe geschafft. Was dann kam, war ziemlich gruselig. Ständig viel befahrene Straßen, selten Radwege, dafür wenigstens keine ernsthaften Berge mehr.

Ich begann mich mit mir zu streiten - was relativ selten vorkommt. Eigentlich wollte ich nicht mehr, weil die Fahrerei sehr unangenehm war, andererseits wollte ich diesen Teil schnell hinter mich bringen. Die Landschaft war inzwischen platt wie eine Flunder oder wie Brandenburg.



Es ging hin und her, bis ich 20 km vor Mestre war. Damit war klar, ich hatte mich durchgesetzt, denn zu diesem Zeitpunkt noch einen Zwischenstopp zu machen, wäre Unsinn (zumal es gar keine Übernachtungsmöglichkeiten gab).
Am Stadtrand von Mestre fragte mich eine Schwäbin nach dem Weg, die mit ihrer vielleicht zehnjährigen Tochter unterwegs war.
Leider war die Straßenführung geändert worden, mein Track führte zu einem Zaun. Ein alter Mann aus Mestre wollte uns auf den richtigen Weg führen. Dazu mussten wir uns auf einer Art Autobahnauffahrt zwischen Leitplanke und Zaun durcharbeiten. Die Leitplanke war nach hundert Metern so verbeult, dass die Stelle nur mit abgenommenen Packtaschen passierbar war. Dann gings die Abfahrt wieder runter und wir konnten weiter. Ziemlich abenteuerlich!

Eigentlich war ich sowieso schon spät dran und die Suche nach dem Campingplatz dauerte auch sehr lange.
Endlich um 20.30 Uhr hatte ich das Zelt aufgebaut. Die Mücken waren sehr emsig. Gut, dass ich das Mückenmittel vorgestern entsorgen musste, weil die Flasche undicht war ...


Wo meine Stirnlampe ist, weiss ich auch nicht, bestimmt zu Hause. Egal ich habe was gegessen und getrunken und morgen gehts ohne Fahrrad nach Venedig. Für das bisschen Symbolik schleppe ich es nicht zum Markusplatz.

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