Samstag, 14. Mai 2016

Samstag, der 14.

Lengenfeld - Waldsassen ca. 87 km

Der Kloß hat nicht gereicht.

In Langenfeld musste ich erst mal den richtigen Ausgang finden. Dabei kam ich an der Kirche mit der schönen Treppe vorbei, die ich schon am Vorabend bewundert hatte.


Kurze Zeit später kamen die ersten Bergstraßen, die ich im leichtesten Gang gerade so schaffte, dabei wollte ich mir den für die Alpen aufheben!

Dann, lange vor Falkenstein, ein Umleitungshinweis. Ich beschloss, weiter zu fahren, es gab wieder heftige Steigungen. Der erste Mensch, den ich sah, beantwortete meine Frage, ob ich mit dem Fahrrad durchkäme nur mit einem Achselzucken. Dann die Postfrau (die muss es ja wissen). Die sagte, es sollte klappen. Als ich antwortete, dass die Umleitung für mich ungünstig wäre, meinte sie lachend "Ja, Umleitung ohne Ende"!

Die Ursache für das Problem sah ich fünf Kilometer weiter, eine Unterführung, an der ich entlang gehen konnte. Wäre eine Brücke abgerissen worden - ich möchte gar nicht drüber nachdenken.


Es ging weiter steil bergauf und es wurde immer kühler, obwohl auch mal die Sonne raus kam. Manchmal dachte ich, dass die Baumgrenze bald erreicht wäre, Skigebiete sind ausgeschildert.


Eigentlich wollte ich das Schieben unbedingt vermeiden, aber kurz vor der tschechischen Grenze geht es einfach nicht mehr, das Schieben des ca. 40 kg schweren Rades ist auch kein Zuckerschlecken.


Zudem meldet sich das Handy, der Akku ist leer! Also wird der Ersatzakku eingelegt - das Laden hatte wohl wegen der vielen Steigungen nicht funktioniert.

Abrupt mit der Grenze auf einem Kamm endet die Quälerei, das Erzgebirge ist eindeutig deutsch. Ich beschließe, in Cheb (Eger) an der Grenze zu Bayern, zu übernachten, einen Schweinebraten mit böhmischen Knödeln zu essen, ein (oder auch zwei) Pilsener zu trinken und den Kinderchen schöne Karten aus Tschechien zu schreiben. Wenigstens ein paar tschechische Huftiere habe ich anzubieten:


Es war eine Schnapsidee. Um 16 Uhr war Cheb voll mit Deutschen, Gasthäuser habe ich wenige in der Innenstadt gesehen und in der Touristeninformation gab es auch kaum Hoffnung. Erst wurde mir nur eine Liste von Häusern offeriert und ein Stadtplan dazu gelegt. Dann konnte ich die Dame über reden, einige Quartiere anzurufen. Aber alles blieb erfolglos und der Campingplatz lag außerhalb. Das Wetter hatte auch noch gedreht,
wehte ein kalter Wind und dunkle Wolken zogen auf. Dann meldete sich auch noch der Ersatzakku - auch fast leer. Also Handy für den Notfall abschalten, keine Track-Aufzeichnung mehr - und damit auch keine Registrierung der gefahrenen Kilometer.

Na toll, gerade das Handy hatte mir in solchen Situationen oft geholfen.

Ich beschloss, noch einige Adressen aus der Liste abzuklappern.
Da sprach mich ein älteres Ehepaar auf deutsch an und fragte, was ich denn suche. Ich antwortete: "Die Nerudova" - "Was ist denn das"? (Eine Straße, in der eine Pension sein sollte).

Als ich ihnen mein Dilemma erklärt und gesagt hatte, dass ich wohl in Deutschland weiter suchen müsste, kam gleich der Vorschlag, nach Waldsassen zu fahren. Dort wäre der Gasthof Röckl nicht zu verfehlen, und wenn der nichts frei hätte, würde er schon was organisieren!
Und es wäre auch gar nicht weit, dort hinten den Berg hoch und dann rollts von allein, ruckzuck ist man da!

Autofahrer eben - ein sehr netter zwar, aber es waren 15 km und nicht nur ein Berg, also eine gute Stunde.

Trotzdem war der Tipp sehr gut, der bayerische Schweinebraten war großartig, das. Bier angenehm und das WLAN funktioniert.

Das Handy lädt wieder, nur das Kabel ist defekt.

Es war heute ganz schön der Wurm drin - dabei ist heute Samstag, der 14.! Aber es sind solche Erlebnisse, die einen Reiz der Reisen ausmachen.

Man braucht nur ein bisschen Optimismus - andere nennen es Gottvertrauen - und eine Prise Spontanität.

Gute Nacht und schöne Pfingsfeiertage.

Leider hatte ich den Beitrag durch einen Fehler dreimal drin und musste ihn deshalb zweimal löschen. Kommentare sind davon auch betroffen, ich hab sie aber gelesen (danke an Zinnes).

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