Montag, 23. Mai 2016

Der Brenner ist bezwungen

Matrei - Aicha 64,4 km (Aufstieg 1692m, Abstieg 934m)

Das hört sich in diesen Zeiten, wo ein leichter Druck aufs Gaspedal reicht, um jede Steigung mühelos zu nehmen, ganz schön komisch an.
Im nachhinein war ich jedenfalls froh, gestern schon mehr als die Hälfte des Wegs bis zum Pass zurück gelegt zu haben.
Von Matrei waren es nur noch sechzehn Kilometer, aber die hatten es in sich.


Gestern abend saß ich in der Gaststätte mit einem Radler aus Wengen im Allgäu zusammen. Er kam aus dem Süden und meinte, dass ich nichts zu befürchten hätte, es kämen keine großen Anstiege mehr. Es kommt halt immer auf die Perspektive bzw. die Kondition an.

Ein Radler aus "Mittelsachsen", wie er sagte, hirschte anschließend mit seinem Rennrad den Berg hoch. Sieben Tage von " Mittelsachsen" bis Venedig bei 150-200 km pro Tag. Für mich nicht machbar aber auch nicht wünschenswert.



Das letzte Stück war so anstrengend, dass ich alle paar hundert Meter eine Pause machen musste. Egal, irgendwann bin ich oben angekommen. Der Ort Brenner ist sehr unspektakulär, ein paar Imbissläden, ein Outlet-Center, das wäre. Ich hatte Mühe, eine Stelle für das Beweisfoto zu finden. Ich hoffe, das hier wird anerkannt:


Wie nicht anders zu erwarten, wurde der bis dahin schwache Regen am Pass immer stärker und die Temperaturen gingen in den Keller (9 Grad).

Bis dahin hatte ich nur eine dünne Jacke und kurze Hosen an. Jetzt begann aber die Abfahrt auf einer alten Bahntrasse und ich begann jämmerlich zu frieren. Also wieder Beinlinge, Regenhose, drei Jacken und Handschuhe anziehen und trotzdem weiter frieren!


Die Fahrt durchs Eisacktal ist bei schönem Wetter sicherlich sehr reizvoll, ich hatte kaum einen Blick dafür. Es ging durch Tunnel, alte Signale standen am Rand und die Piste war wunderbar eben, aber es goß wie aus Kannen.



Später kam sogar manchmal kurz die Sonne raus. Obwohl die restliche Strecke nicht sehr anspruchsvoll war, hatte ich große Mühe, kleiner Hügel hoch zukommen. Das Gasthofsterben ist auch hier in Italien zu spüren. Eigentlich wollte ich in Franzensfeste übernachten, aber das einzige Haus am Platz hat Montag Ruhetag und macht sonst erst um 18 Uhr auf - das gibts bestimmt bald nicht mehr.

Einen Ort weiter, in Aicha, hatte ich mehr Glück - ein schönes Zimmer, keine Hauptstraße und keine Kirche in der Nähe, ein vernünftiger Preis und Halbpension, was will ich mehr. Das 3-Gänge-Menü hat mich sehr satt gemacht. Soll es ruhig weiterregnen, für morgen ist wieder Sonnenschein prognostiziert.

3 Kommentare:

  1. Glückwunsch, der Berg ist geschafft, der Gipfel bestiegen, jetzt geht es nur noch bergab.
    Viel Freude beim Rollen im bella Italia.

    AntwortenLöschen
  2. Glückwunsch lieber Peter! Auf dem Beweisfoto hast du eine ausgesprochen gesunde Gesichtsfarbe und wirkst gar nicht so erschöpft wie beschrieben. :-) Weiterhin viel Erfolg auf deiner Tour!

    AntwortenLöschen
  3. Regen und Wind sind gut für die Haut. Schnee wäre noch besser gewesen, den gabs aber erst gegen Abend auf dem Brenner, wie mir Autofahrer erzählten.

    AntwortenLöschen