Sonntag, 22. Mai 2016

Nur noch ein Katzensprung zum Brenner

Wiesing - Matrei am Brenner 64 km

Das war heute der zehnte Fahrtag, und der hatte es in sich.

Trotz Glockenläuten ist es mir gelungen, bis acht zu schlafen, weil ich gegen Morgen das Fenster zu gemacht hatte. Beim Aufwachen erinnerte ich mich, dass ich von einem platten Reifen geträumt hatte. Es war nur ein Alp(en)traum
Die übrigens Gäste waren schon fort, heute war Abreisetag für die Vollpensionsgäste. Ich hatte meine Ruhe, gestern beim Abendessen hatte ich genug Krankheitsgeschichten anhören müssen.
Es war genug Zeit, mich mit der jungen rumänischen Kellnerin etwas zu unterhalten. Sie erzählte mir, dass sie zu Hause für 300 € arbeiten müsste, hier wäre es viel besser. Ich durfte mir noch was vom Frühstücksbuffet einpacken, denn sonntags ist auch hier die Nahrungsbeschaffung schwierig.
Dann gings los auf dem Innradweg durchs breite Tal.




Das Wetter war herrlich und viele Radler waren unterwegs. Die meisten mit Rennrädern, eine bunte Wurstpelle über den prallen Leib gezogen und verbissenen Gesichtern Tempo machend. Selbst das Regenbogentrikot der Radweltmeister war mehrfach zu sehen.
Als ich auf einer Bank rastete, kam ein älteres Ehepaar angeradelt, schlug sich in die Büsche und suchte emsig. Ich dachte, sie hätten ein dringendes Bedürfnis, aber sie betrieben Geocaching. In der Abdeckung des Müllbehälters wurden sie fündig. Sie kamen aus München und fahren quer durch Europa, um sich in Logbücher einzutragen.

Der Radweg führte mal links und mal rechts des Inn entlang, immer umgeben von schneebedeckten Bergen.


Durch Parkanlagen und das olympische Dorf von 1976 ging es Richtung Innenstadt.

Bald hatte ich die Altstadt erreicht. Die Fiaker warteten auf Fahrgäste, das Goldene Dachl glänzte in der Sonne.




Protzige Bürgerhäuser überall und viele internationale Touristen. Trotzdem lag eine seltsame Lethargie über der Szene, oder wie der Österreicher sagen würde, es wirkte alles " a bissl fad".



Ich war schon mal in Innsbruck, daher beschränkte ich mich auf einen kleinen Rundgang mit Fahrrad.
Das erste Mal war ich Ende der achtziger Jahre hier, als die ersten zaghaften Reiseerleichterungen mir wegen der Nachlassauflösung meiner verstorbenen Großtante eine Reise nach Augsburg ermöglichte (ganz schön verschwurbelter Satz).
Per Bus (für 20 DM hin und zurück) fuhr ich von Augsburg nach Innsbruck. Ich hatte eine Heidenangst, dass ich an der Grenze einen Stempel in meinen Reisepass bekommen würde. Der Busfahrer beruhigte mich, er werde das schon regeln. An der Grenze sammelte er die Pässe ein. Zu meiner Überraschung waren mindestens die Hälfte blaue DDR-Pässe.
Das Problem wurde durch ein Einlegeblatt gelöst, das man hinterher entsorgen konnte.
Als größter Eindruck von Innsbruck ist mir die saubere und warme Bahnhofstoilette mit Hintergrundmusik im Gedächtnis ...

Schon auf dem Weg in die Stadt hatte ich über legt, dass die Etappe etwas kurz ausfallen würde. Die Atmosphäre hat mich sofort überzeugt, dass ich mir hier am frühen Nachmittag keine Bleibe suchen mochte.
Der Brenner lockte zu sehr.
An der Tanke kaufte ich mir noch eine Flasche Almdudler (ein fürchterlich süßes Gesöff) und los gings Richtung Brenner.
Den Bergisel mit der Sprungschanze im Blick fuhr ich los.



Kurz darauf bereute ich schon meinen Entschluss. In steilen Serpentinen ging es bergauf, der Föhn blies mir kräfig ins Gesicht und der Fahrzeugverkehr war extrem. Gleich die erst Möglichkeit musste ich zum Verschnaufen nutzen und hatte immerhin einen schönen Blick über die Stadt.



Die zwanzig Kilometer nach Matrei gehören jedenfalls zu den längsten meiner Fahrradgeschichte, aber eigentlich waren sie auch nicht so dramatisch wie befürchtet.

Ich bin fast über den Berg, ohne Schummeln.





Größte Attraktion heute abend, Besuch von einem echten Maikäfer, er fliegt inzwischen wieder draußen rum.




Morgen gehts ganz locker über den Brenner und dann bin ich bald am Ziel.

4 Kommentare:

  1. Guten Morgen Vater,
    nach dem Wochenende auf einer Hochzeit hab ich dich wieder eingeholt. Lesend geht das ja mit Leichtigkeit. Viel Freude beim bergab radeln! Der kleine Maulwurf wurde sehr freudig begrüßt.
    U

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  2. Hallo Peter, es freut mich für dich dass alles so gut läuft. Pass auf dich auf und komm vor allem gesund zurück. Lieben Gruß Ramona

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  3. Aus Venedig Kommt bestimmt auch noch mal ne Karte - aber wahrscheinlich kein Maulwurf!

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  4. Hallo Ramona, dass freut mich, dass ihr auch mitlest!
    Eigentlich läufts ja gar nicht so gut. Das Wetter ist launisch wie ne alte Diva und meine Pannenstatistik spricht für sich. Aber den Spass lasse ich mir nicht verderben. Bin ja auch bald am Ziel!

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